Pawlow im Sport: Von der Gewohnheit zur Sucht?

Pawlow im Sport: Von der Gewohnheit zur Sucht?

Beobachtungen im Fitness-Studio

Oft beobachte ich die Angewohnheit, dass die erste sportliche Handlung im Studio der Griff zum Smartphone ist.

Smartphone_Sucht Pawlow Dramaka

Der folgende Ablauf hat mich aber wirklich nachdenklich gemacht. Viele Griffe zum und Blicke aufs Handy erfolgen nach einer kurzen Trainingsphase, also z.B. einem Satz, und zwar vor allem an den geführten Geräten.

Kann man sich auf diese Art eine Sucht danach regelrecht antrainieren? Das hat mich interessiert.

Denn besteht die (selbst gestellte) Aufgabe beispielsweise in drei Sätzen à 15 Wiederholungen,  gibt es keine kurze Verschnaufpause zwischen den Sätzen, sondern jeweils eine längere – sagen wir – „Konzentrationspause“, um die neuen Nachrichten und Neuigkeiten zu prüfen. In dieser Zeit fällt aber die Herzfrequenz schon so deutlich ab, dass eine Höchstleistung oder zumindest ein effektives Training gar nicht mehr möglich ist.

Das Fatale finde ich gar nicht den Umgang mit dem Smartphone an sich oder die Ineffektivität des Trainings. Mir scheint vielmehr, hier wird vorsätzlich eine Gewohnheit hergestellt: Man arbeitet kurze Zeit und „belohnt“ sich dann mit einem Blick aufs Handy.

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Geister im Pflegeheim

Geister im Pflegeheim

Über eine Recherche zum Thema „Pflege“ – meinem derzeitigen Arbeitsbereich – wurde ich auf das Theaterstück „Geister sind auch nur Menschen“ von Katja Brunner und dessen Inszenierungen aufmerksam, das sich mit den Zuständen im Pflegeheim, den BewohnerInnen und Pflegekräften (und Pflegeschwächen, wie es so schön dort heißt) befasst. Das hat mich als Theaterbesessene natürlich sofort interessiert.

Das Thema ist deshalb auch aktuell, weil sich die sehr zahlreichen „Boomer“ (gehöre knapp auch dazu) so langsam der Renten- und sogar Hochbetagten-Grenze nähern. Daher ist es auch interessant, wie das Theater auf diese gesellschaftliche Entwicklung reagiert.

Hier stelle ich das Stück und verschiedene Inszenierungen vor. Ich kenne zwar den Text, nicht aber die Inszenierungen selbst (!), sondern beziehe mich nur auf die Trailer und Mitschnitte auf Youtube. Deshalb kann ich natürlich nur eine eingeschränkte Meinung wiedergeben! Ich finde aber spannend, wie sich im deutschsprachigen Theaterregie-Land die Herangehensweisen oft ähneln, aber dann letztlich doch gravierende Unterschiede aufweisen.

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Der Kongo in Antwerpen

Der Kongo in Antwerpen

Demnächst fahre ich als Touristin nach Antwerpen, und natürlich kommt mir da die belgische Vergangenheit als Kolonialmacht in den Sinn, über die ich dann berichten will.

Und die es in  sich hat, finde ich, da sie bis heute wenig Resonanz in der belgischen Gesellschaft findet. Gleichzeitig werde ich mich im flämischen Teil des Landes aufhalten, während es ja auch noch den wallonischen/ französischsprachigen Teil und den kleinen deutschsprachigen im Osten gibt.

Mich interessiert, ob ich öffentliche Zeichen der Kolonialzeit finde und mit welcher Intention sie ausgestellt werden.

Hier zunächst ein Abriss der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo um die vorletzte Jahrhundertwende.

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Streit

Streit

Die definitive Antwort auf Provokationen gebe ich mit Daniil Charms:

Kuklov und Bogadelnev sitzen am Tisch, über den eine Wachstuchdecke gebreitet ist, und essen Suppe.

KUKLOV Ich bin ein Prinz.

BOGADELNEV DU und ein Prinz!

KUKLOV Und was folgt daraus, dass ich ein Prinz bin?

BOGADELNEV Dass ich dich jetzt mit Suppe voll­spritze.

KUKLOV Nein, das tust du nicht.

BOGADELNEV Warum sollte ich nicht?

KUKLOV Und warum willst du mich mit Suppe voll­spritzen?

BOGADELNEV Du denkst wohl, weil du ein Prinz bist, kann man dich nicht mit Suppe vollspritzen?

KUKLOV Ja, das denke ich.

BOGADELNEV Und ich denke das Gegenteil.

KUKLOV Du denkst so, und ich so!

BOGADELNEV Und auf dich kann ich pfeifen!

KUKLOV Und du hast keinerlei innere Haltung!

BOGADELNEV Und du hast eine Nase, die aussieht wie ein Trog!

KUKLOV Und du machst ein Gesicht, als wüsstest du nicht, wo du dich hinsetzen sollst.

BOGADELNEV Und du hast einen spindeldürren Hals!

KUKLOV Und du bist ein Schwein!

BOGADELNEV Und dir reiß ich gleich die Ohren ab!

KUKLOV Und du bist ein Schwein!

BOGADELNEV Ich reiß dir jetzt die Ohren ab!

KUKLOV Und du bist ein Schwein!

BOGADELNEV Schwein? Und was bist du!

KUKLOV Ich bin ein Prinz!

BOGADELNEV Du und ein Prinz!

KUKLOV Und was folgt daraus, dass ich ein Prinz bin?

BOGADELNEV Dass ich dich jetzt mit Suppe voll­spritze!

20. November 1933

in: Charms, Daniil, Theater!, herausgegeben und übersetzt von Peter Urban, Ffm. 1997, S. 142f.

Hier gibt es noch mehr von Daniil Charms.

Namibia: Geschichte und Gegenwart

Namibia: Geschichte und Gegenwart

Deutschland hatte um 1900 viele Kolonien, darunter Teile von China, Inseln im Süd- und Westpazifik und mehrere Länder in Afrika, auch Namibia im Südwesten des Kontinents.

Mein Interesse an der deutschen (und europäischen) Kolonisierungsgeschichte begann mit der Diskussion um die Benin-Bronzen.

Und mit dem Gefühl von Ungerechtigkeit und Mangel an Aufarbeitung aus dieser Zeit.

Ich begann über die deutsche Kolonialgeschichte zu recherchieren, über die ehemaligen deutschen Kolonien und ihre geschichtliche und ökonomische Entwicklung nach deren Unabhängigkeit.

Nun habe ich mich selbst zwei Wochen in Namibia aufgehalten. Es war meine Anteilnahme an dieser durch die Kolonisierung so fatal mit Deutschland verbundenen Geschichte dieses Landes, die mich dorthin geführt hat.

Deshalb möchte ich hier von der deutschen Kolonialgeschichte in Namibia erzählen, aber auch von der Zeit danach ab 1918, denn diese zweite Kolonialisierung durch Britisch-Südafrika prägte die Nation weiter entscheidend bis zu ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1990. Und bis heute.

Und trotzdem sind die Menschen dort so aufgeschlossen und freundlich, als hätte es diese Zeiten nicht gegeben. Kaum zu glauben – und bemerkenswert.

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Der öffentliche Raum als Bühne

Der öffentliche Raum als Bühne

Theater spielen kann man eigentlich überall. Es braucht nicht einmal eine große Bühne, sondern es genügt der öffentliche Raum.

Wenn wir annehmen, Theater ist:

A spielt B und C schaut zu. (ABC-Formel nach Eric Bentley),

dann brauchen wir eigentlich nur ein Bewusstsein darüber, dass wir spielen (als DarstellerInnen) und darüber, dass gespielt wird (als Publikum). Und schon haben wir es mit Theater zu tun.

Doch gilt auch die reduzierte Formel: A handelt und C schaut zu? Sehen wir schon Theater, wenn wir andere in ihrem Handeln beobachten?

Ich stelle ein paar alltägliche Orte aus dem eigenen Umfeld vor, die durchaus als Theaterbühne taugen würden. Dann stellt sich die Frage, ab wann wir es denn genau mit Theater zu tun haben. Schließlich folgt ein Exkurs zum Unsichtbaren Theater, das zweifelsfrei Theater ist, aber nicht als solches erkannt werden will.

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Teamrollen und Rollenarbeit: Teamentwicklung neu gedacht

Teamrollen und Rollenarbeit: Teamentwicklung neu gedacht

In einem Team, heißt es, übernimmt jedes Mitglied eine bestimmte Rolle. Wenn diese Teile gut zusammen passen, dann arbeite das Team rund, dann funktioniere es gut.

Wenn ich das Wort „Rolle“ höre – klar frage ich sofort nach dem Zusammenhang mit dem Theater, und natürlich wurde der Begriff nicht willkürlich gewählt, sondern beinhaltet viele Parallelen zur Arbeit auf der Bühne.

Wie kann Theaterarbeit mit Teamrollen aussehen?

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Masters of the Universe – Finanzkapitalismus auf der Bühne

Masters of the Universe – Finanzkapitalismus auf der Bühne

Krisen sind immer spannend für TheatermacherInnen. Schon immer gab es Stücke und Inszenierungen, die auf die Themen ihrer Zeit anspielten, und oft beschreiben alte Stücke sehr gut die heutige Zeit. Hier stelle ich eine persönliche Sammlung von Theatertexten, Videos und Inszenierungen zur Bankenkrise 2008 vor – und auch die Gründe für diese sanfte Besessenheit.

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