Krähen im Kampf um die Rangordnung Dramaka Daniela Vöge

Pecking Order Animals – Statusspiele

In einem meiner Uni-Seminare ging es um Körpersprache und in dem Zusammenhang auch um den Einsatz von Statushaltungen als Ausdruck von Macht oder Ohnmacht. Dazu haben wir einen „echten Keith Johnstone“ herangezogen und ein wenig experimentiert. Sehr witzig und erhellend!

Doch zunächst mal zum Begriff.

Was ist Status?

Im Improvisationstheater bezeichnet Status den durch Körpersprache und Auftreten charakterisierten „sozialen Status“ einer Rolle, genauer bezeichnet als Hoch- und Tiefstatus. Kennzeichnend ist das Machtgefälle zwischen den beiden Zuständen und der Wechsel zwischen ihnen – dabei handelt es sich um sog. „Statusspiele“.

Der Abstand dazwischen bezeichnet man auch als „Fallhöhe“, einen Begriff, den Sie in dem Blog bestimmt nochmal irgendwann wieder finden werden.

Dies ist aber nicht auf das Improvisationstheater beschränkt: Wann immer Menschen aufeinander treffen, wird in der Begegnung geklärt, wie die soziale Rangfolge einer Person innerhalb der Gruppe ist.

Ein schönes Beispiel sind die zwei Gruppen von Menschen, die sich an einer roten Ampel gegenüber stehen. Sobald die Ampel auf Grün springt, beginnen lauter milisekundenlange Verhandlungen über den Weg, den die Personen einschlagen (dürfen).

Status definiert sich also durch das, was jemand tut und nicht das, was jemand ist. Deshalb wechseln Menschen üblicherweise in ihrem Verhalten zwischen Hoch- und Tiefstatus.

Wer morgens die kleine Schwester triezt, kann sich im Unterricht trotzdem eher klein machen. Oder sich gegenüber der kleinen Schwester im Tiefstatus nähern, weil sie es ist, die noch einen Vorrat an Süßigkeiten hat, und dafür Anforderungen der Schule stoisch an sich abperlen lassen.

Oder denken Sie an den berühmten „Radfahrer“: nach oben hin buckeln, nach unten hin einen vermeintlichen hohen Status ausspielen. Hier haben wir es sogar mit einem sog. „Cross Status“ zu tun, d.h. Personen in einer niedrigen (inneren) Position versuchen nach außen hin einen hohen Status einzunehmen. In diesem Fall wirkt das Verhalten seltsam inkongruent, denn die körpersprachlichen Zeichen verbergen den inneren Zustand nur unzureichend. Einen niederen Status aus einer hohen Position heraus einzunehmen kann dagegen sehr souverän wirken. Hier findet sich eine Studie zu genau diesem Thema.

Kennzeichen von Hoch- und Tiefstatus

Grob lässt sich sagen: Während Hochstatus eher raumgreifend, direkt, langsam-besonnen und sicher auftritt (sowohl Personen als auch dem Raum gegenüber), bevorzugt Tiefstatus sich klein zu machen, den Blick zu meiden, eher indirekt, schnell/hektisch und unsicher zu wirken.

Dabei ist Hochstatus nicht besser oder sympathischer als Tiefstatus, es ist lediglich eine bestimmte Strategie zur Zielerreichung.

In der Improvisation reicht es oft, einen Status für die Spielenden anzugeben, und schon ergibt sich die erste Szene. Und wer einmal einem Stuhl gegenüber Hochstatus oder Tiefstatus gespielt hat, erkennt, dass das eine höchst witzige und erkenntnisreiche Sache sein kann!

Nun zur Szene

Chef mit Zeitung, es klopft.

Chef: Herein!
Schmidt: Guten Tag
Chef: Setzen Sie sich.
Chef: Sie wissen, dass wir niemand beschäftigen können, der vorbestraft ist.
Schmidt: Ah-ja.
Chef: Sie sind entlassen.
Schmidt: Können Sie sich das nicht noch einmal überlegen?
Chef: Nein.
Schmidt: Ich wollte ihren Scheißjob eh nie!

Quelle: Keith Johnstone, Improvisation und Theater, Köln 19973, S. 82

Aufgabe war es, die beiden Rollen zu verteilen und ihnen sehr deutliche Statuszuschreibungen zu geben, d.h. im Hoch- oder Tiefstatus oder wechselnd zu erarbeiten und die Szene dann zu präsentieren.

Es ist so absolut interessant zu sehen, wie sich die Szene verändert, wenn man an diesen Stellschrauben dreht. Verlässt Schmidt das Büro als geschlagener Arbeitsloser oder hocherhobenen Hauptes? Traut sich der Chef überhaupt, die Kündigung auszusprechen, oder ist er sich seiner Sache sicher? Wechselt das Verhältnis zwischen beiden im Verlauf?

Hier die Ergebnisse:

Improvisation Ergebnisse

Es gibt vier Szenen, in denen Chef und Schmidt unterschiedliche Status’ einnehmen.

Improvisation Ergenisse

  1. Chef ist oben und bleibt oben, Schmidt ist unten und bleibt auch dort.
  2. Chef traut sich erst nicht, gewinnt dann an Selbstsicherheit, Schmidt kommt selbstbewusst rein und verlässt niedergeschmettert das Büro.
  3. Chef hat die Kontrolle, doch Schmidts Schlusssatz senkt seinen Status sehr. Schmidt versucht freundlich/ angepasst zu sein, schlägt aber doch zum Schluss auf den Tisch.
  4. Der Chef ist und bleibt in der defensiven Haltung, Schmidt hat von Anfang an das Heft in der Hand.

Gibt es noch mehr Varianten? Versuchen Sie sich selbst am Chef oder an Schmidt!

Anmerkungen, Bemerkungen, Lob & Kritik, Tipps & Tricks bitte gleich hier im Kommentar eintragen! Und bei Gefallen auch gern teilen! Merci.

2 Gedanken zu „Pecking Order Animals – Statusspiele“

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