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Willkommen zum Dramaka – Blog

Willkommen zum Dramaka – Blog

Notizen aus dem Trainingsalltag

Auf dieser Seite veröffentliche ich seit Juni 2022 Texte und Ideen zu den Themen Team, Theater und Theatermethoden. Ebenso berichte ich aus meinen früheren Kursen und Projekten im Theaterbereich.

Inzwischen füge ich meinem Blog auch den ein oder anderen Essay aus anderen Bereichen hinzu.

Wissen und Erfahrung für diesen Blog schöpfe ich sowohl aus meinem politikwissenschaftlichen Studium am Otto-Suhr-Institut in Berlin als auch aus meiner Schauspielausbildung am Berliner ETI, dem Europäischen Theaterinstitut.

Die überaus produktive Zeit mit meinem Freien Off-Theater Mäanda, meine Tätigkeit als ausgebildete Theaterpädagogin am Badischen Staatstheater Karlsruhe und nicht zuletzt zehn Jahre Erfahrung als selbständige Kommunikationstrainerin mit dem Schwerpunkt auf Schauspielmethoden sollten meine Beiträge fundieren.

Heute arbeite ich als staatl. ex. Altenpflegehelferin im Pflegeheim. Gleichzeitig ist Theater nach wie vor ein entscheidender Teil meines Lebens.

So wünsche ich nun viel Spaß beim Schmökern!

Daniela Vöge Dramaka

Daniela Vöge – Dramaka

Interpretation und Aneignung: Meine Madama Butterfly

Interpretation und Aneignung: Meine Madama Butterfly

Nachdem meinem neuen Korkentheater von professioneller Warte aus eine glänzende Zukunft prophezeit wurde, war mir klar, ich bringe gleich eine weitere Premiere heraus, um die Welle zu reiten. So war es gedacht.

Doch ich muss feststellen, es ist gar nicht möglich, mit dem neuen Thema so zu verfahren wie beim letzten Mal.

Der Grundgedanke ist derselbe: ein klassisches Werk hilft mir, meine individuelle Geschichte zu erzählen. Diesmal sollte es aber auf jeden Fall eine Oper sein, und meine Wahl fiel schnell auf Giacomo Puccinis Oper „Madama Butterfly“.

Dieser Musik – und ich habe mich für eine Aufnahme mit Maria Callas entschieden, die die Butterfly so differenziert und wunderschön singt – gab ich nun Bilder, ganz ähnlich einer Operninszenierung.

Dabei war mir sofort klar, dass diese Bilder zum einen echte Fotos sein würden, aber auch zur Illustrierung/ Unterstreichung welche, die ich mir per KI erstellen lassen würde. Genauso experimentell gestaltete sich allerdings auch die Video-Arbeit mit KdenLive

Mein Korkenensemble befindet sich nun deshalb in „Intermettence“1Die Beschreibung aus Luxemburg entspricht der Organisation in Frankreich. Sie erklärt es recht gut..

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Hieronymus Bosch und die Alten

Hieronymus Bosch und die Alten

Es ist nicht neu, dass ich in der Altenpflege arbeite, und diese Arbeit ist für mich absolut sinnstiftend. Sie erlaubt es mir, mich dem neoliberalen Kreislauf der Zwangsoptimierung zu entziehen und trotzdem notwendige Arbeit zu leisten. Außerdem macht sie Spaß, das ist auch nicht zu unterschätzen.

Manchmal aber ist die Arbeit mit den alten Menschen nicht ganz einfach, besonders wenn diese unter schweren körperlichen Krankheiten zu leiden haben, oder eine Demenz ihnen nicht mehr erlaubt, überlegt und zielgerichtet zu handeln oder sich zu äußern.

Nicht wenige Male ist mir in diesen Momenten der niederländische Maler Hieronymus Bosch eingefallen, der im 16. Jahrhundert gewirkt hat. Viele kennen ihn durch sein Werk „Das Jüngste Gericht“. Ich ebenso.

Sehr oft musste ich Vergleiche ziehen von seinen gemalten Beschreibungen der Hölle zu den Qualen, die meine Bewohnerinnen und Bewohner zuweilen zu ertragen haben.

Aus diesem Grund möchte ich dieses Kunstwerk einmal unter diesem Gesichtspunkt betrachten.

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Der Verlust (des Vertrauens in die Politik)

Der Verlust (des Vertrauens in die Politik)

Ich bin eine begeisterte Onleiherin, d.h. ich leihe mir ständig Bücher in meiner Stadtbibliothek online aus. Immer mal wieder schaue ich dabei, was denn andere so lesen, z.B. über die Bücher, die zuletzt zurück gegeben worden sind. Dadurch bin ich auf das Buch „Der Verlust“ der Journalistin Anita Blasberg (Hamburg 2022) aufmerksam geworden.

Anita Blasberg, der Verlust, Cover

Der Untertitel lautet: „Warum nicht nur meiner Mutter das Vertrauen in unser Land abhandenkam“.

Inspiriert von Gesprächen mit ihrer Mutter im Corona-Jahr 2021 stellt sich Blasberg die Frage, seit wann das Verhältnis zwischen BürgerInnen und Politik so angespannt, wenn nicht sogar entzweit ist.

„Ich glaube an fast gar nichts mehr.“ (Mutter Blasberg)

So wie sie hatte Ende 2021 fast jeder Dritte das Vertrauen in die Demokratie verloren, mehr als Drittel glaubt, dass es keinen Unterschied mehr macht, wer dieses Land überhaupt regiert.1Studie der Körber-Stiftung 2021, a.a.O. (S. 14). Die globale Welt scheint gespalten, die Politik befindet sich in vielen Ländern in einer Legitimationskrise. Blasberg fragt in diesem Buch nach den Gründen.

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Interpretation und Aneignung: Mein König Lear

Interpretation und Aneignung: Mein König Lear

Mein letztes künstlerisches Projekt (vgl. Ich baue ein Papiertheater) war noch nicht komplett abgeschlossen mit dem Bau und des damit gezeigten, radikal reduzierten Theaterstücks des Königs Lear. Vielmehr ging es von Anfang an darum, eine Bearbeitung der Geschichte im Sinne meiner eigenen Geschichte zu kreieren. Dass es ein Papiertheater (bzw. „Korkentheater“) wurde, war in dem Zusammenhang durchaus stimmig und hat mich herausgefordert zu erproben, wie stark Haltungen/ Positionen reduziert werden können, um letztlich noch verständlich zu bleiben.

Im Grunde aber war die konkrete Umsetzung zweitrangig in Bezug auf die intendierte Aussage.

Also gibt es zwei Versionen, einmal die Erzählung des König Lear als Korkentheater, zum anderen meine persönliche Geschichte als Reminiszenz an König Lear. Und diese gibt es hier:

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Postkoloniale afrikanische Positionen

Postkoloniale afrikanische Positionen

Schon mehrfach habe ich in diesem Blog über deutschen Kolonialismus in Afrika und die berechtigte Forderung nach Rückgabe gestohlener Kunstgüter an die rechtmäßigen Nachkommen geschrieben (vgl. Kolonisierung und Restitution).

Bei meinem Besuch in Namibia 2023 – deutsche Kolonie 1884 bis 1915 – war mir vor Ort aufgefallen, dass zwar die Kolonialgeschichte aus Sicht der Besatzer bis heute öffentlich sichtbar und wirksam ist. Der Umgang der NamibierInnen damit aber ist alles andere als der von Opfern. Im Gegenteil, hier wird mit der zunehmend erforschten Geschichte eines Volkes (bzw. vieler Volksgruppen in dem Land) selbstbewusst eine neue Kultur demonstriert, die sich ihre Identität fern aller eurozentrischen Zuschreibungen erarbeitet. Das finde ich ganz wichtig und bemerkenswert!

Afrikanische politische Philosophie

afrikanische-politische-philosophie-suhrkamp

In dem Band „Afrikanische politische Philosophie“ soll genau diese im Zentrum stehen, er ist herausgegeben von Franziska Dübgen und Stefan Skupien im Suhrkamp Verlag, Berlin 2015.

Im Übrigen erzählt das auch etwas über meine eigene Erkenntnisgeschichte, denn diese Positionen wurden schon vor immerhin acht Jahren veröffentlicht, bis ich jetzt selbst darauf gestoßen bin. In der kommenden Zeit werde ich hier über eine Auswahl der Beiträge referieren, die allesamt hochspannend klingen.

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Ich baue ein Papiertheater – Selbstversuch

Ich baue ein Papiertheater – Selbstversuch

Irgendwie bin ich auf domestica.org aufmerksam geworden. Auf dieser Homepage bieten Künstlerinnen und Künstler Video-Kurse an, und einer davon hat mich gleich angesprochen.

Es geht darum, ein eigenes Papiertheater zu illustrieren und zu bauen und darin eine Geschichte zu erzählen. Die Künstlerin selbst hat das am Beispiel von Mary Shelleys Frankenstein erläutert.

Voraussetzung war nur, dass man vertraut sein solle mit dem Zeichenstift.

Bin ich aber überhaupt nicht. Hab ich schon öfter mal versucht, auch mit dem Pinsel, und es kam nie das raus, was ich mir vorgestellt hatte. Die Ergebnisse waren einfach „flach“ und sinnlos. Ich kann das einfach nicht, Zeichnen. Malen im Übrigen auch nicht. Macht aber nix, man muss nicht alles können.

Trotzdem fand ich die Idee so charmant, zumal ich gerade auch eine persönliche Geschichte zu erzählen und zu verarbeiten hatte, so dass ich überlegt habe, wie ich diese Aufgabe am besten bewerkstelligen könnte. Zudem in einer überschaubaren Zeit, denn geduldiges Friemeln ist oft auch nicht meine größte Stärke.

Hier berichte ich über den Entstehungsprozess und das Ergebnis.

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Die „Fallhöhe“ im Schauspiel

Die „Fallhöhe“ im Schauspiel

Die Fallhöhe ist zweifellos eines meiner Lieblingsthemen im Schauspiel.

Sie ist ein zentrales Element bei der Gestaltung einer Figur, denn sie beschreibt das Ausmaß der „Katastrophe“, die dieser im Lauf der Handlung widerfährt – und die Katastrophe gibt es noch immer in den meisten Theaterstücken.

Fallhöhe ist ein Begriff aus der Tragödie, und auch die hat selber eine spannende Geschichte hinter sich.

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Vom Bild zur Szene – Theater und Coaching mit Kunst

Vom Bild zur Szene – Theater und Coaching mit Kunst

Bildende Kunst ist ein ganz realer Weg, wertvolle neue Erkenntnisse zu gewinnen. Noch eindrücklicher wird dies durch direkte Theaterarbeit am Gemälde.

Durch meinen Aufenthalt in Antwerpen durfte ich dieses Gemälde von Peter Paul Rubens – „Die Kreuzaufrichtung“ (1609-1610, s.o.) – in der Liebfrauenkirche „live und in Farbe“ sehen.

Dieses und weitere Kunstwerke haben mich sofort an meine Arbeit in der Museumspädagogik erinnert, bei der ich unterschiedliche Zielgruppen an Bilder oder Skulpturen herangeführt bzw. MuseumsmitarbeiterInnen mit theaterpädagogischen Methoden der Kunstvermittlung vertraut gemacht habe.

Hier berichte ich von diversen Kursen zu Theater und Coaching mit Kunst.

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Pawlow im Sport: Von der Gewohnheit zur Sucht?

Pawlow im Sport: Von der Gewohnheit zur Sucht?

Beobachtungen im Fitness-Studio

Oft beobachte ich die Angewohnheit, dass die erste sportliche Handlung im Studio der Griff zum Smartphone ist.

Smartphone_Sucht Pawlow Dramaka

Der folgende Ablauf hat mich aber wirklich nachdenklich gemacht. Viele Griffe zum und Blicke aufs Handy erfolgen nach einer kurzen Trainingsphase, also z.B. einem Satz, und zwar vor allem an den geführten Geräten.

Kann man sich auf diese Art eine Sucht danach regelrecht antrainieren? Das hat mich interessiert.

Denn besteht die (selbst gestellte) Aufgabe beispielsweise in drei Sätzen à 15 Wiederholungen,  gibt es keine kurze Verschnaufpause zwischen den Sätzen, sondern jeweils eine längere – sagen wir – „Konzentrationspause“, um die neuen Nachrichten und Neuigkeiten zu prüfen. In dieser Zeit fällt aber die Herzfrequenz schon so deutlich ab, dass eine Höchstleistung oder zumindest ein effektives Training gar nicht mehr möglich ist.

Das Fatale finde ich gar nicht den Umgang mit dem Smartphone an sich oder die Ineffektivität des Trainings. Mir scheint vielmehr, hier wird vorsätzlich eine Gewohnheit hergestellt: Man arbeitet kurze Zeit und „belohnt“ sich dann mit einem Blick aufs Handy.

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