Der Bühnenraum als Kunstwerk

Der Bühnenraum als Kunstwerk

…oder wie titelte die Deutsche Welle?

„Architektur als Grundlage für Kunst.“

und bezog sich damit auf ausrangierte Fabrikhallen, die als Leinwand für Graffiti-Künstler genutzt werden, wie beispielsweise die frühere Papierfabrik Eberswalde.

Räume, Orte, „Lost places“ erzählen eine eigene Geschichte, über ihre eigene Zeitlichkeit, aber auch über die dortigen Handlungen und das Wirken von Menschen in Vergangenheit und Gegenwart.

Dies geschieht auf unterschiedliche Weise, wie ich in diesem Beitrag zeigen werde.

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Eine ikonografische Haltung: die Pietà

Eine ikonografische Haltung: die Pietà

Wenn man darauf achtet, begegnet sie einem immer wieder: Maria als die „Mater Dolorosa“, die „Schmerzensmutter“, die ihren toten erwachsenen Sohn im Schoß hält – eine Pietà1Was lateinisch soviel bedeutet wie „Frömmigkeit“ oder „Mitleid“ – die Kurzform für „Unsere Herrin vom Mitleid“ (domina nostra de pietate)..

Darf man, wenn ein Krieg in solcher Nähe stattfindet, in dem die Pietà nicht nur künstlerischer Ausdruck oder religiöses Gedenken, sondern tägliche Realität ist, genau über jenes einen Beitrag schreiben?

Ich denke schon. Dieses Bild der trauernden Mutter ist universell und vielschichtig, es bezieht sich auf die Tatsache des Todes wie auch auf die komplexen Gefühle von Trauer, Schmerz, Verstehen(-Wollen), Glauben und Mitleid(en), wie sie in so vielen Situationen in anderen Zusammenhängen und der Kunst zu finden sind.

Hier soll es um genau solche Beispiele gehen.

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Handbuch für Freies Theater – Buchvorstellung

Handbuch für Freies Theater – Buchvorstellung

Hier möchte ich ein Buch vorstellen, das mich in den Anfängen meiner Off-Theater-Zeit in den 90er Jahren intensiv und zuverlässig begleitet hat.

Frisch zurück aus Italien, noch ganz beseelt von den Straßentheater-Erfahrungen in der Lombardei, die ich als Teilnehmende eines Kurses gemacht hatte, beschloss ich, in Berlin eine Frauen-Straßentheater-Gruppe zu gründen.

Nur Frauen? Logo. Straßentheater? Unbedingt. Die begeisterten und erwartungsvollen Mitstreiterinnen waren schnell gefunden. Doch wie starten?

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Die Magie der Dinge: Objekttheater

Die Magie der Dinge: Objekttheater

Das Theater mit alltäglichen, vorgefertigten Gegenständen ist eine ganz besondere, bewusste und wache Form des Theaters. Denn hier stehen nicht lebendige Menschen auf der Bühne, sondern diese geben einem unbelebtem Material die Impulse, um dessen Geschichte zu erzählen.

Die gelungene Belebung von Gegenständen hat etwas regelrecht Magisches, das schnell vergessen lässt, dass wir es eigentlich mit Staubsaugern, Teekannen, Zollstöcken, Handschuhen und Blechdosen zu tun haben. Diese Dinge bekommen einen Charakter, eine Rolle, eine Figur und agieren wie lebendige Wesen.

Hier beschreibe ich meine eigene Begegnung mit Objekttheater und beginne mit der Frage: Was ist das eigentlich?

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Gibt es eine „Opferhaltung“ in der Körpersprache?

Gibt es eine „Opferhaltung“ in der Körpersprache?

Gibt es eine spezielle Körperhaltung, die Menschen ganz besonders zum Ziel von Überfällen werden lässt? Eine Haltung, nach denen Kriminelle gezielt Ausschau halten – also eine deutliche „Opferhaltung“?

Dies dürfte nicht nur für diejenigen ziemlich interessant sein, die sich beruflich mit Körpersprache beschäftigen, sondern vor allem für die, welche selbst an ihrer Körpersprache arbeiten wollen.

In den 80er Jahren veröffentlichten Betty Grayson, Mitarbeiterin an der Marketing Faculty of Hofstra University N.Y. und Morris I. Stein, Professor der Psychologie an der New York University, eine amerikanische Studie zu genau diesem Thema.

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Salome – tolle Operninszenierung von Sláva Daubnerová

Salome – tolle Operninszenierung von Sláva Daubnerová

Salome als ganz und gar nicht mordlüsterne Männerfresserin – im Gegenteil, in dieser Inszenierung am Badischen Staatstheater Karlsruhe lag der Schwerpunkt auf dem kleinen Mädchen Salome, umgeben von erwachsenen Männern jeglicher Religion, die sie zu ihrem Spielzeug machen. Ausstaffiert wie ein Bonbon mit langen Haaren, dazu ein Luftballon an einer Schnur – an dieser wird später der Kopf des Jochanaan schweben.

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Wie gut bin ich als Spielleiterin?

Wie gut bin ich als Spielleiterin?

In der theaterpädagogischen Ausbildung, aber auch im weiteren Verlauf der Spielleiter- oder TrainerInnen-Tätigkeit muss man sich immer wieder die Frage stellen, wie denn die eigene Arbeit einzuschätzen ist. Denn allein das Feedback der Teilnehmenden am Ende einer Einheit deckt i.d.R. nicht die Kernfragen ab, die Kompetenz, Wissen und Vermittlung gemäß den Ausbildungs-Standards betreffen.

Doch welcher ist dieser Standard genau? Wonach muss ich fragen, um mich selbst als (theaterpädagogische) Spielleiter/-in einschätzen zu können? Bin ich schon gut oder ist da noch Luft nach oben?

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Eine Lebensgeschichte in einem Einkaufszettel

Eine Lebensgeschichte in einem Einkaufszettel

„Hi, ich bin Walt. Ich sammle weggeworfene Einkaufslisten. Das klingt vielleicht ein bisschen schräg, aber Sie ahnen ja nicht, was man auf diese Weise alles über jemanden erfährt!“

Klappentext R. Wangersky „Walt“

Im Jahr 2014 veröffentlichte der kanadische Schriftsteller Russell Wangersky seinen Erstlingsroman „Walt“ (dt. Erscheinungsjahr 2016) über einen etwas verschrobenen Supermarktmitarbeiter um die Fünfzig, der über weggeworfene Einkaufszettel seine Rückschlüsse über das Leben der jeweiligen Kunden zieht.

Dies soll keine weitere Buchkritik sein, die es schon zuhauf über dieses Buch gibt. Dass die Figuren blass bleiben, Walt viel zuviel Irrelevantes für die Geschichte erzählt, insgesamt die Kategorie „Psychothriller“ eine Nummer zu hoch gegriffen ist – dem kann ich mich nur anschließen. Dennoch mag ich diesen lakonischen, etwas melancholischen Stil, bei dem in einem beiläufigen Nebensatz oft ein veritables Lebensdrama mitschwingt.

Und am Interessantesten finde ich Walts Theorien über die unterschiedlichen Einkaufzettel, die er über ihre Verfasserinnen und Verfasser entwickelt.

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Biomechanik nach Meyerhold: Physiologisches Präsenztraining

Biomechanik nach Meyerhold: Physiologisches Präsenztraining

Die Biomechanik ist eine fantastische, wenn auch keine einfache Methode, die eigene Präsenz im Alltag und auf der Bühne zu schulen.

Hier stelle ich einen kurzen geschichtlichen Abriss sowie ausgewählte Elemente dieses körperbetonten Trainings vor. Eine umfangreiche Quelle finde ich dabei in dem Buch von Jörg Bochow von 20101Bochow, Jörg, Das Theater Meyerholds und die Biomechanik, Berlin 2010, 2. Auflage (auch Foto oben: 166), in dem er Geschichte und Originalmaterialien der Gründer erstmals in einem Band zusammen fasst.

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Benin-Bronzen werden an Nigeria zurück gegeben

Benin-Bronzen werden an Nigeria zurück gegeben

Erster Schritt zur Wiedergutmachung

Im Dezember 2022 erschien eine gute Nachricht: Außenministerin und Kulturstaatsministerin übergaben in der Hauptstadt von Nigeria, Abuja, 20 bronzene Skulpturen.

Entstanden ab dem 16. Jahrhundert im damaligen Königreich Benin, waren sie unter der Kolonialherrschaft Großbritanniens nach Europa gebracht, d.h. gestohlen, und dort auch an deutsche Museen verkauft worden.

Ich konnte zum Jahreswechsel 21/22 die Benin-Bronzen im Hamburger Museum MARKK (Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt) sehen und war sehr beeindruckt. Auch die dort ausgestellten Werke gehören Nigeria, können aber – inzwischen als Leihgaben – weiterhin gezeigt werden.

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